Geschichtlicher Überblick

Um 1260-70        
Im Rahmen der Ostkolonisation gründet der Lokator Billung im südlichen Riesengebirgsvorland ein Waldhufendorf deutscher Bauern. Es erhält den Namen "Billungsdorf".

1357        
Erste Erwähnung. Pfarrer Johannes von "Pilengiuilla" ist verstorben, die Pfarrei wird neu besetzt mit Nikolaus, Sohn des Gottfried von Trautenau.

Spätestens 1388
Ein Jesko Silber wird Grundherr des Ortes und Patron der Kirche: Beginn der rund 250 Jahre dauernden Herrschaft der Familie Silber.

1384
Erster Beleg der tschechischen Variante des Ortsnamens: „villa Pylingsdorff alias Pilkniow“. Letzteres ist wohl ein Schreibfehler, in der Folge heißt es immer „Pilnikow“ bzw. „Pilnikov“.

1424
In den Hussitenkriegen wird die Region um Trautenau von den Hussiten erobert und verheert. Angeblich wird auch Pilsdorf/ Pilnikov zerstört.

1476
Die Burg von Pilsdorf/ Pilnikov ist Sitz der Herrschaft der Silber. „Jan Zilwar z Pilnikowa“ ist in der Hoflehentafel erwähnt, ein Jahr später heißt er „z Pilníkova a na Břečtýne“ (nach der Burg Bröckstein, später Silberstein).

1514
Teilung der Gemeinde. Auf Ansuchen von Adam I. Silber von Pilnikau und Bröckstein erhebt König Wladislaw IV. den Kernbereich des Ortes unter dem Namen Pilnikov/Pilnikau zur Stadt. Das restliche Pilsdorf (Oberdorf und Niederdorf) umschließt nun auf 415 Jahre „die Stadt im Dorfe“.

Um 1540
Die Silber werden Protestanten. Auch Pilnikau tritt zum neuen Glauben über, 1543 ist Israel Geisler als lutherischer „Pfarher zu Pilnikau“ belegt.

1581
Die Silber haben ihren Sitz nach Wildschütz und Bröckstein verlegt - die Pilnikauer Burg wird als "öde" vermerkt, später werden die Gebäude als Wohnhaus und Scheune genutzt.

1604 bis 1605
Beatrix von Lobkowitz geb. Silber baut eine neue, größere Pilnikauer Kirche (Inschrift über dem Südportal). Ihr Testament bestimmt: Hier sollen nur lutherische Geistliche wirken, die das Abendmahl utraquistisch, "unter beiderlei Gestalt", austeilen.

1622
Die Silber beteiligen sich am protestantischen Adelsaufstand, ihre Güter werden eingezogen. 1623 verkauft die kaiserliche Kammer die Herrschaft Wildschütz mit Pilnikau an Wallenstein. Er macht Pilnikau zum Schwerpunkt seiner Grobleinen-Erzeugung für die Rüstung.

1639
Schwere Drangsalierungen der Region durch die Schweden: Pfarrer Nikolaus Georgii von Pilnikau wird erschlagen. In der Gegenreformation wird die Pfarrei wegen Priestermangels zur Lokalkaplanei der katholischen Pfarrei Wildschütz herabgestuft.

1675 -1789
Pilnikau kommt als Teil der Herrschaft Wildschütz auf 114 Jahre in die Hand der Fürsten Schwarzenberg. Der fürstliche Verwalter hat seinen Sitz in Wildschütz. Es werden neue Grund- und Ertragsbücher begonnen.

Vor 1685
Der neue Friedhof wird vor der Stadt angelegt, der Gottesacker um die Kirche 1784 aufgelassen.

1685
Im Urbar der Herrschaft werden die Bewohner Pilnikaus mit Namen und Stand angeführt.

1763
Marienverehrung des 18. Jahrhunderts: Pfarrer Springer von Wildschütz stiftet Pilnikau die Marienstatue. Die Wallfahrt zur Pilnikauer „Schmerzhaften Mutter“ wird überregional bekannt.

1769-1772
Die Kirche von 1604 ist baufällig. Fürst Adam von Schwarzenberg (1722-82) läßt die heutige Kirche „von Stein“ erbauen.

1820
Am 16. August verheert ein Stadtbrand zahlreiche Häuser der Innenstadt, auch die Kirche wird im Mitleidenschaft gezogen.

1848
Alle Verpflichtungen für die Herrschaft Wildschütz werden aufgehoben. Pilnikau erhält ein neues Gesicht: der Ringplatz wird geebnet, die Kirchenmauer erstellt, der Pelikanbrunnen errichtet.

1855
Pilnikau wieder zur Pfarrkirche erhoben, mit Josef Acksteiner als erstem Pfarrer.

1871
Am 1. November beginnt für Pilnikau das Eisenbahnzeitalter: Der erste Zug der Linie Arnau - Trautenau wird feierlich begrüßt.

1872
Beginn der Industrialisierung in Pilsdorf. Auf die Seidenbandweberei Bleichsteiner folgen später die Maschinenfabrik Klimsch, die Eisengießerei Hübner, die Ziegelei Eichmann, die Kunstseidenfabrik Silkin.

1904
Die Kirche wird renoviert und ausgemalt.

1929
Pilnikau und Pilsdorf sind nach 415 Jahren wieder vereinigt, nun unter dem Namen Pilnikau. Die Gesamtgemeinde hat 1715 Einwohner, 152 landwirtschaftliche und 122 andere Betriebe.

1938
Als Ergebnis der Münchener Konferenz kommen die Sudetengebiete zum Deutschen Reich: Am 9. Oktober marschieren die Deutschen in Pilnikau ein.

1939
Vom 20. bis 24. Juli findet in Pilnikau ein großes Heimatfest statt, zu dem auch ehemalige Pilnikauer aus weiter Ferne zusammenkommen. Wenige Monate danach beginnt der Zweite Weltkrieg. An seinem Ende sind mindestens 131 Pilnikauer gefallen oder vermißt.

1945
Am Abend des 9. Mai rollen erste sowjetische Panzer durch Pilnikau, bald darauf übernehmen tschechische Funktionäre die Verwaltung. Die meisten deutschen Bewohner kommen vor der Vertreibung zur Zwangsarbeit ins tschechische Gebiet, die Minderheit wird direkt nach Deutschland abgeschoben.

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